Das Forum „Ville Venete Re-Thinking“ fand am 28. April 2026 im Castello San Salvatore in Susegana (Treviso) statt: eine strategische Veranstaltung mit dem Ziel, die Rolle der venezianischen Villen im Kontext der gegenwärtigen wirtschaftlichen, kulturellen und territorialen Dynamik neu zu definieren. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nahmen teil und verfolgten die Plenarsitzungen am Vormittag und Nachmittag mit großem Interesse.
Die Veranstaltung begann mit einer institutionellen Phase, in der Begrüßungen und eine Einführung in das Forum durch Isabella Collalto – Präsidentin der Vereinigung der venezianischen Villen – stattfanden. Die strategische Ausrichtung der Initiative stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung, bei der Vertreter des Fördervereins und regionaler Institutionen die Notwendigkeit eines neuen Ansatzes für den Umgang mit dem kulturellen Erbe Venetiens erläuterten. Die venezianischen Villen wurden nicht als bloße architektonische Objekte präsentiert, die es zu erhalten gilt, sondern als Knotenpunkte eines integrierten territorialen Systems, das wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Mehrwert generieren kann.
Die zentrale Präsentation der Forschungsprojekt „Die Wiedergeburt der venezianischen Villen“, entwickelt vom Europäischen Architekturbüro Ambrosetti, das den analytischen Kern des Projekts bildete.Die Studie präsentierte eine quantitative Analyse des Villensystems, schätzte dessen gesamtwirtschaftliche Bedeutung auf rund 630 Millionen Euro und identifizierte die wichtigsten beteiligten Sektoren: Tourismus, Landwirtschaft, Gastgewerbe, Veranstaltungswirtschaft und Kulturwirtschaft. Die Forschung schlug einen methodischen Paradigmenwechsel vor, in dem das kulturelle Erbe als messbarer Wirtschaftsfaktor und aktiver Bestandteil der Regionalentwicklung betrachtet wurde.
Das Programm wurde anschließend mit einer Reihe thematischer Panels fortgesetzt, die die verschiedenen Dimensionen des Projekts beleuchteten. Das erste Panel konzentrierte sich auf die venezianischen Villen als wirtschaftliche Infrastrukturen und analysierte Modelle unternehmerischen Kulturerbemanagements sowie das Potenzial der Villen als multifunktionale Kulturunternehmen. Ein zweites Panel widmete sich dem Thema Kulturtourismus und Nachhaltigkeit, insbesondere der Umverteilung von Touristenströmen und der Rolle der Villen im Kampf gegen Übertourismus durch die Aufwertung des Hinterlandes und die Förderung entschleunigter und flächendeckender Tourismusformen.
Ergänzt wurde dies durch Präsentationen von Vertretern des Kulturministeriums, des Ministeriums für Wirtschaft und „Made in Italy“ sowie der Region Venetien. Im Mittelpunkt standen die Diskussion von Governance-Modellen für dezentralisiertes Kulturerbe und der notwendigen Instrumente der öffentlichen Politik zur Unterstützung der angestrebten Transformation. Dabei wurde der Bedarf an einer Koordination auf verschiedenen Ebenen zwischen Institutionen, privaten Akteuren und lokalen Interessengruppen deutlich. Eine weitere Gelegenheit zur eingehenden Analyse bot sich im Bereich der Kreislaufwirtschaft im Kontext des Kulturerbes. Die venezianischen Villen wurden als territoriale Zentren interpretiert, die Landwirtschaft, lokale Produktion, Gastgewerbe und kulturelle Veranstaltungen integrieren und so ein Kreislaufwirtschaftssystem schaffen können, in dem die Wertschöpfung in der Region verbleibt. Dieser Ansatz würde die Verbindung zwischen Kulturerbe, lokaler Identität und nachhaltiger Entwicklung stärken. Das Programm umfasste außerdem die Präsentation von Fallstudien und Erfahrungsberichten von Villenbesitzern, -verwaltern und Branchenexperten, die konkrete Erfahrungen in der Aufwertung und dem Management des Kulturerbes teilten. Diese Beiträge verdeutlichten sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen der Umwandlung von Villen in Kulturunternehmen und unterstrichen die Bedeutung von wirtschaftlicher Nachhaltigkeit und Managementkapazität. Schließlich wurde die Vision eines integrierten Systems bekräftigt, in dem die venezianischen Villen nicht länger isolierte Elemente darstellen, sondern Teil eines territorialen Netzwerks sind, das eine umfassende Entwicklung ermöglicht. Das Forum entwickelte sich somit zu einem Labor für politische und territoriale Innovationen, in dem Wirtschaftsforschung, institutionelle Steuerung und lokale Akteure zusammenkamen, um ein neues Paradigma zur Aufwertung des kulturellen Erbes zu definieren. Das Projekt „Ville Venete Re-Thinking“ stellt somit einen strukturierten Versuch dar, das historische Erbe in einen Hebel für nachhaltige Entwicklung zu verwandeln und damit die Grundlage für ein Modell zu schaffen, das in anderen europäischen Kontexten mit einem reichen kulturellen Erbe Anwendung finden kann.
Alle Daten zusammengefasst aus der Forschung
- Das Szenario des Kulturtourismus in Italien
Top 10 EU-Länder nach Tourismusausgaben (Millionen Besucher), 2025
(Richtwerte im Diagramm)
- Italien
- Frankreich
- Spanien
- Deutschland
- Niederlande
- Österreich
- Griechenland
- Portugal
- Belgien
- Irland
Die 10 besten italienischen Regionen für Kultur-, Landschafts- und Strandtourismus
(%-Werte bezogen auf alle Tourismusarten, 2023)
- Lombardei
- Veneto
- Trentino-Südtirol
- Lazio
- Toskana
- Piemont
- Umbrien
- Emilia-Romagna
- Sizilien
- Friaul-Julisch Venetien
*Venetien ist die Region Italiens mit der höchsten Anzahl an historischen Gebäuden.
BIP der Schönheit: Welchen ökonomischen und sozialen Wert ermöglichen venezianische Villen?
Kennzahlen für das Ökosystem der venezianischen Villen (Schätzungen für 2025)
- 892 venezianische Villen vermessen
- 4.137 Tage für die Öffentlichkeit zugänglich
- Wertsteigerung von 231 Millionen Euro
Vom Ökosystem generierte Einnahmen (2025, Venetien)
gesamt: 361 Mio. €
Verteilung:
- Landwirtschaftliche Produktion
- Events
- Gastgewerbe & Hotellerie
- Kulturelle Aktivitäten
- Vermietung an Dritte
- Produktion erneuerbarer Energien
Direkte, indirekte und induzierte Beschäftigung (2025)
- Insgesamt Beschäftigte: 29.833
- Direkte, indirekte und induzierte Teilung
Das Ökosystem der venezianischen Villen: die Untersuchung
Verteilung der venezianischen Villen (2025)
- Venetien (Mehrheit)
- Friaul-Julisch Venetien
Immobilientyp: Villen (2025)
- Privat (vorherrschend)
- Öffentlichkeit
- Handelsunternehmen
- Kirchenwesen
- Mischbesitz
Es gibt 2.432 venezianische Villen, von denen 90 % Schutzbestimmungen unterliegen.
Durchgeführte wirtschaftliche Aktivitäten (%), 2026
- Gastgewerbe & Hotellerie
- Events
- Landwirtschaftliche Produktion
- Kulturelle Aktivitäten
- Mehr
Die wichtigsten Kennzahlen des Ökosystems (2025)
- 892 venezianische Villen, die besichtigt werden können
- durchschnittlich 15 Besucher
- 1,3 Millionen Besucher jährlich
- 12 Millionen Übernachtungen
Venezianische Villen neu denken: Herausforderungen für die Zukunft
Interventionslinien für die Neuausrichtung der Rolle der venezianischen Villen (2025)
Hauptherausforderungen
- Wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Instandhaltung
- Hohe Verwaltungskosten (geschätzt 10 Millionen Euro pro Jahr)
- Untätigkeit historischer Villen
- Hohe Anzahl verlassener oder untergenutzter Gebäude
- Schutzbeschränkungen
- Sie schränken die Möglichkeiten für Intervention und Wertschöpfung ein.
- Abfangen von Touristenströmen
- Nur 25 % sind in touristischen Aktivitäten tätig.
Vision
- Stärkung der Anerkennung venezianischer Villen als kulturelles Erbe
- Überwindung individueller Logik durch ein integriertes System
- Barrierefreiheit und Benutzerfreundlichkeit verbessern
- Förderung eines nachhaltigen und innovativen Managements
